Andrea Gohr geb. Erdmann

Malerei · Grafik · Skulptur · Text · Prozessbasierte Bildpraxis

Kuratorisches Statement

Die künstlerische Praxis von Andrea Gohr ist in einem offenen, prozessorientierten Verständnis von Bild, Form und Sprache verankert. Ihre Arbeiten entstehen aus der Imagination heraus und entwickeln sich in einem fortlaufenden Dialog zwischen Idee, Material und künstlerischer Entscheidung.

Malerei, Grafik, Skulptur und Text sind dabei nicht als getrennte Disziplinen zu verstehen, sondern als miteinander verflochtene Ausdrucksformen eines übergeordneten künstlerischen Denkens. Gohr untersucht die Bedingungen von Wahrnehmung, Bedeutung und Transformation – sowohl auf der Fläche als auch im Raum und in der Sprache.

Neben den bildnerischen Medien integriert sie lyrische Texte, die sie mit eigens entwickelten grafischen Strukturen verbindet. Sprache wird hierbei als visuelles und semantisches Material eingesetzt, das die Bildräume erweitert und zugleich hinterfragt.

Künstlerische Position

Andrea Gohrs Werk bewegt sich im Spannungsfeld von Vorstellung und Beobachtung, von materieller Form und sprachlicher Verdichtung. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch die bewusste Verschränkung von Figuration und Abstraktion sowie durch eine Offenheit gegenüber medialen Übergängen aus.

Zentrale Aspekte ihrer künstlerischen Position sind:

  • die Entwicklung vielschichtiger Bild- und Bedeutungsräume
  • die Transformation innerer Bilder in visuelle, räumliche und sprachliche Formen
  • die Gleichwertigkeit von Bild, Objekt und Text
  • die Erzeugung offener, nicht eindeutig festgelegter Narrationen

Figürliche Darstellungen und skulpturale Arbeiten treten dabei häufig als Personifizierungen und Allegorien in Erscheinung. Sie fungieren nicht als konkrete Darstellungen, sondern als Träger übergeordneter inhaltlicher Ebenen.

Arbeitsweise

Andrea Gohrs Arbeitsweise ist konsequent explorativ und medienübergreifend.

Malerei und Grafik:

  • serielle Skizzen und Vorstudien
  • experimentelle, prozesshafte Bildentwicklung
  • Überlagerung, Verdichtung und bewusste Revision

Skulptur:

  • Entwicklung von Form durch Aufbau und Reduktion
  • Arbeit mit Volumen, Balance und Materialität
  • Übertragung bildnerischer Fragestellungen in den Raum

Text-Bild-Arbeiten:

  • Verfassen lyrischer Texte
  • Entwicklung eigenständiger grafischer Systeme
  • Verschränkung von Schrift, Zeichen und Bildstruktur

Der Arbeitsprozess bleibt sichtbar und bildet eine zentrale inhaltliche Ebene des Werks.

Themen und Bildwelten

Die Malerei von Andrea Gohr lässt sich in unterschiedliche, miteinander verbundene thematische Felder gliedern, die sich gegenseitig ergänzen und inhaltlich aufeinander verweisen.

Landschaft

Die Landschaftsbilder sind geprägt von einer experimentellen, häufig stark abstrahierten Malweise. Sie basieren auf Fragmenten von Naturerfahrungen und verdichten sich zu eigenständigen Bildräumen.

Wiederkehrende Motivfelder sind:

  • Ozean
  • Wald
  • Himmel

Durch eine intensive, gestische Ausdrucksweise entsteht eine visuelle Dynamik, die eine Sogwirkung entfaltet. Die Bilder erzeugen eine Illusion von Räumlichkeit, die den Betrachtenden nicht nur auf Distanz hält, sondern scheinbar in das Bildgeschehen hineinzieht.

Landschaft wird hier nicht als Abbild verstanden, sondern als emotional und strukturell aufgeladener Erfahrungsraum.

Figürliche Malerei

In der figürlichen Malerei stehen Körpersprache und Ausdruck im Zentrum. Die dargestellten Figuren sind Träger komplexer, oft mehrdeutiger Inhalte.

Charakteristisch ist:

  • der Einsatz symbolhafter Bildelemente
  • das Andeuten von Fragestellungen in Form visueller „Rätsel“
  • eine bewusste Offenheit der Interpretation

Die Figuren treten nicht als eindeutig definierte Individuen auf, sondern als Projektionsflächen für Wahrnehmung und Deutung.

Skulptur und Figur

Die skulpturalen Arbeiten erweitern die figürlichen Fragestellungen in den realen Raum. Auch hier erscheinen Formen häufig als Personifizierungen und Allegorien, die sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion bewegen.

Durch ihre physische Präsenz verschieben sie die Wahrnehmung von Bild in Richtung Objekt und erzeugen eine unmittelbare, körperliche Erfahrung.

Text-Bild-Arbeiten

In ihren Text-Bild-Arbeiten verbindet Andrea Gohr lyrische Sprache mit grafischer Struktur.

Die Texte stehen nicht isoliert, sondern sind integraler Bestandteil der Bildkomposition:

  • Schrift wird zur visuellen Form
  • Sprache erzeugt rhythmische und semantische Ebenen
  • Bild und Text treten in ein wechselseitiges Spannungsverhältnis

Es entstehen Arbeiten, die gleichermaßen gelesen und betrachtet werden müssen und sich einer eindeutigen Zuordnung entziehen.

Zusammenhang der Werkgruppen

Alle genannten Werkbereiche stehen in einem engen thematischen Bezug zueinander.

  • Landschaften schaffen emotionale und räumliche Erfahrungsfelder
  • Figuren und Skulpturen konkretisieren diese in Form von Personifizierungen und Allegorien
  • Text-Bild-Arbeiten erweitern die visuelle Ebene um sprachliche Reflexion

In ihrer Gesamtheit bilden sie ein kohärentes künstlerisches System, in dem sich die einzelnen Medien gegenseitig ergänzen und vertiefen.

Kontext und Relevanz

Andrea Gohrs Werk steht im Kontext einer zeitgenössischen künstlerischen Praxis, die sich durch mediale Offenheit und hybride Ausdrucksformen auszeichnet.

Ihre Arbeiten berühren zentrale Diskurse über:

  • das Verhältnis von Figuration und Abstraktion
  • die Erweiterung der Malerei in Raum und Sprache
  • die Rolle von Subjektivität und Imagination in der Gegenwartskunst

Die Verbindung von Malerei, Skulptur und Text ist dabei nicht additiv, sondern Ausdruck einer konsequent entwickelten künstlerischen Haltung.

Kunstvermittlung als Erweiterung der Praxis

Parallel zu ihrer künstlerischen Arbeit ist Andrea Gohr in der Kunstvermittlung tätig. Diese basiert auf denselben Prinzipien, die auch ihr Werk prägen:

  • Offenheit im Prozess
  • Förderung individueller Ausdrucksformen
  • Verbindung von Wahrnehmung, Material und Idee

Die Vermittlung wird so zu einer Erweiterung ihres künstlerischen Denkens.

Kurzvita (kompakt)

  • Freischaffende Künstlerin
  • Arbeitsfelder: Malerei, Grafik, Skulptur, Text-Bild-Arbeiten
  • Arbeits- und Lebensmittelpunkt: Staßfurt, Sachsen-Anhalt
  • Kontinuierliche Ausstellungstätigkeit in Einzel- und Gruppenausstellungen
  • Tätigkeit in künstlerischer Praxis und Vermittlung

Zusammenfassung für Galeriekontext

Andrea Gohrs medienübergreifende Praxis verbindet Malerei, Grafik, Skulptur und Text zu einem kohärenten künstlerischen System. Ihre Arbeiten untersuchen die Bedingungen von Form, Raum, Sprache und Wahrnehmung in prozesshaften Zusammenhängen.

Zwischen abstrahierter Landschaft, allegorischer Figur und sprachlich-grafischer Struktur entstehen vielschichtige Bild- und Erfahrungsräume, die sich erst im aktiven Wahrnehmungsprozess erschließen.

Ihr Werk lässt sich als kontinuierliche Untersuchung zwischen Bild, Objekt und Text verstehen – getragen von einer konsequent entwickelten, medienübergreifenden Bildsprache.

© Andrea Gohr. Alle Rechte vorbehalten. 

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